Die Guestphalia – Anfänge ab 1806

Der Startschuss fällt im Jahr 1806. Das „Westfälische Kränzchen“ – ein zunächst eher lockerer Zusammenschluss – wurde in diesem Jahr an der Philipps-Universität Marburg gestiftet. Beteiligt waren daran insbesondere Hallenser Westfalen – also Mitglieder des Corps Guestphalia Halle, das schon 1789 ins Leben gerufen wurde.

Bereits 1807 wurden dem Ganzen mehr Kontur verliehen und so erfolgte die Umwandlung in eine „alte Landsmannschaft“ – die Westfälische Landsmannschaft. Also eine Landsmannschaft im eigentlichen Sinne, die sich maßgeblich aus westfälischen Studenten zusammensetzte.

Übrigens nicht zu verwechseln mit den heutigen sog. “Landsmannschaften”, die eine eigene und jüngere Verbindungsform darstellen. Der Begriff „Corps“ war allerdings noch unbekannt.

Schon zu dieser Zeit hatte Guestphalia die späteren Farben und beruhte auch maßgeblich auf den bis heute überlieferten Traditionen. Wichtigste Ausnahme der frühen Anfänge ist sicherlich das erst später aufkommende Prinzip des Lebensbundes – die lebenslange Mitgliedschaft im Corps.

Guestphalia war Teil des ersten Marburger Senioren-Conventes – der Zusammenschluss der Corps an einem Hochschulort. Die Annahme der Bezeichnung „Corps“ erfolgte schließlich 1819. Die anderen heutigen Marburger Corps waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht existent.

1830 – 1838 und die zweijährige Zäsur

Piesen Corps Guestphalia et Suevoborussia Marburg Kösener KSCV

Die noch relativ junge Guestphalia entwickelte sich recht passabel. Sie nahm in Marburg mit der Zeit eine gefestigte Stellung ein. Auch wenn zunächst eine natürliche Verbundenheit mit dem Königreich Westphalen und der späteren preußischen Provinz Westfalen bestand, erlangte Guestphalia aufgrund seiner Mitglieder den inoffiziellen Rang des Hessischen Landescorps.

Maßgeblich sind zwei Gründe: Zum einen stammten in dieser Zeit die Mehrzahl der Mitglieder aus Kurhessen bis zu 80 %. Zum anderen waren die Söhne eines größeren Teils der Familien der Althessischen Ritterschaft bei Guestphalia aktiv.

Und trotzdem sollte es 1838 zunächst zu einer kurzen Unterbrechung kommen.

Mitgliedermangel war nicht der Grund. Die Ursache sind vielmehr der aufkommende und sog. burschenschaftliche Progress und interne Auseinandersetzungen. Eine Integration dieser Strömung konnte sich innerhalb der Guestphalia nicht durchsetzen. Manche Corps des Marburger SC gingen hier einen anderen Weg, was letztlich wohl auch durch die burschenschaftlichen Wurzeln vereinzelter Marburger Corps begründet ist.

Guestphalia ist in dieser allgemein turbulenten Zeit somit zunächst etwas unter Druck geraten und es folgte die zweijährige Zäsur. Aber wir haben es letztlich sportlich genommen.

1840 bis zur Gegenwart

Piesen Corps Guestphalia et Suevoborussia Marburg Kösener KSCV

Schon zwei Jahre später wurde also unter Einfluss und Mitwirkung der Corpsbrüder der alten Guestphalia eine “neue” Guestphalia gestiftet  – am 10. Mai 1840 – unser offizielles Stiftungsdatum.

Formelle Rückdatierungen, wie sie später üblichen wurden, waren zu dieser Zeit noch kein Anliegen und vor allem waren Regelungen hierzu noch unbekannt.

Guestphalia verstand und versteht sich somit – trotz der kurzen Unterbrechung – als die natürliche Fortsetzung der alten Guestphalia.

Beleg dafür ist, dass letztlich die Alten Herren der alten Guestphalia ohne weitere Voraussetzungen in die Corpsliste (Mitgliederverzeichnis) aufzunehmen waren. Inaktive der alten Guestphalia unterstützten die neuen Aktiven von Beginn an – sie sekundierten die Partien ihrer aktiven Corpsbrüder. Und Inaktive aus den Jahren 1835 und 1836 fochten nach 1840 ganz selbstverständlich auf die Farben und Waffen unserer Guestphalia. Sie alle verstanden sich als selbstverständlicher Teil des Corps.

Unserer Corps-Chronik folgend kann man es kurzfassen: Guestphalia hat seit 1806 seinen inneren Zusammenhalt stets bewahrt.

Im weiteren Lauf der Zeit kam es bald zu einer weiteren und auch längeren Zäsur. Während dieser stiftete sich 1880 eine Guestphalia III. Diese ging dann aber letztendlich in der älteren und rekonstituierten Guestphalia auf. Die letzte und zugleich erzwungene Unterbrechung erfolgte zur Zeit des NS-Regimes. Der Aktivenbetrieb wurde in dieser Zeit unter dem Druck der Gleichschaltung im Jahre 1939 eingestellt – 1949 wurde dieser wieder aufgenommen.

So besteht Guestphalia bis heute – seit 1978 im Zusammenschluss mit Suevo-Borussia.

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